Aktuelles:
Arbeitet mit Spephanie Misa und Heike Kastler am Projekt "Home is where the Art is" , einem temporären Kunstprojekt
im öffentlichen Raum. Die bewegliche Einheit unseres Wohnwagens bringt Kunst in die verschiedenen Bezirke der Stadt.
Er ist uns Forschungslabor aber auch eine eigenständige Skulptur.
Warum ein Wohnwagen?
Im Wirtschafts- und Privatleben spielt Mobilität eine immer größere Rolle. Wir sind immer und überall erreichbar,
pendeln weite Distanzen von Wohnung zum Arbeitsplatz, der Wohnsitz wird wegen eines Jobs, eines Studiums oder einer Beziehung schnell geändert.
Unser Wohnwagen steht für die Bewegung im Privaten. Um Teil dieser konstanten Bewegung in der heutigen Welt zu sein haben wir beschlossen
unserem Atelier/ unserem Kunstraum eine bewegliche Struktur zu verleihen.
Auf dem St. Ulrichsplatz im 7. Wiener Gemeindebezirk steht ein Wohnwagen und er wird eingestrickt. Es entsteht eine Camouflage-Hülle, um den intimen Bereich des Heims vor der Außenwelt zu schützen.
Ein Rückzug aus dem politischen, dem öffentlichen Raum ins Private zeigt sich.
Ein neues Biedermeier ist im Anzug. Angesichts der Panikmache der rechten Parteien,
der Angst vor der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit wähnt man sich in den eigenen vier Wänden in Sicherheit.
Das sogenannte „Cocooning“ nimmt immer massivere Ausmaße an: wir schauen DVD statt ins Kino zu gehen,
machen Urlaub auf Balkonien, sehen Kochsendungen statt ins Restaurant zu gehen.
Anstatt Freunde zu treffen, neue Leute kennenzulernen posten wir unsere Befindlichkeiten auf Facebook, Twitter und co.
Wir knüpfen Kontakte online, ohne die sichere Wohnung zu verlassen.
Die Werbung überschüttet uns heute weniger mit Sex als mit Themen wie „Altersvorsorge“ und „Sicherheit“.
Ikea titelt mit „ Zuhause, kein Platz auf der Welt ist wichtiger!“.
Doch die Idylle in den eigenen vier Wänden trügt. Das Öffentliche und das Politische bestimmen unser Leben, auch wenn wir uns abschotten.
Die „subversive“ Handarbeit soll ironisch auf die Illusion von Sicherheit hinweisen.
Warum Handarbeit? Warum subversiv?
Frauen wurde der Zugang zu den Universitäten, zu den Kunstschulen und somit zur „hohen Kunst“ lange Zeit verwehrt.
Sie wurden vielmehr dazu angehalten, sich im bürgerlichen Wohnzimmer mit Handarbeit zu beschäftigen,
um so ihr Bedürfnis nach Entfaltung, Ausdruck und Freiheit zu kanalisieren.
Die Handarbeit galt nicht als Arbeit sondern als dekorative Tätigkeit im repräsentativen Rahmen.
Das Verwenden von typisch weiblich konnotierten Materialien und Techniken, die Motivwahl und das Arbeiten in einem „Wohnzimmer“
sind bewusst gesetzt. Sie sollen auf die vergessenen kunsthandwerklichen Leistungen der Frauen vergangener Jahrhunderte
bis heute aufmerksam machen und zeigen,
wie sehr uns die Frauenbilder des 18., 19. und 20. Jahrhunderts immer wieder einholen.
Das Handarbeiten fand meist im Salon statt. Gestrickt wurden Kleidung, Zierrat und Ornamentales.
Das Stricken wird in den öffentlichen Raum verlegt, die üblichen Dimensionen gesprengt,
indem ein ganzer Wohnwagen eingestrickt wird. Somit wird es zum subversiven Statement.
Am letzten Tag wird eine Gruppe Menschen gemeinsam ein riesiges, rotes, grobmaschiges Netz über den Platz stricken.
Die Teilnehmer bilden im wahrsten Sinne des Wortes ein soziales Netzwerk. Das zentrale Anliegen bei dieser Interaktion ist die
Sensibilisierung und Wahrnehmung der Thematik des Rückzugs ins Private und die Setzung eines Kontrapunkts zum „Cocooning“.
Die Daten:
St.Ulrichsplatz, 1070 Wien
24.6.-4.7.2010 täglich von 15-20 Uhr
Wolle und Nadeln sind genügend vorhanden, also kommt vorbei und strickt mit !
aktuelle Informationen unter:
http://caravanconcepts.wordpress.com/